SAQ: Poka Yoke – Umsetzung in der Praxis

SAQ: Poka Yoke – Umsetzung in der Praxis

Was haben Kanaldeckel mit robusten Prozessen zu tun? Der Grund, warum Kanaldeckel rund sind, liegt weniger am Design sondern eher an der Tatsache, dass ein runder Deckel nicht ins Loch fallen kann. Das Qualitätswerkzeug Poka Yoke – frei aus dem Japanischen übersetzt „Vermeiden von dummen Fehlern“ – wird überall dort eingesetzt, wo unbeabsichtigte Fehler entstehen können.

Julian Mundl, Managing Partner der Noventa Consulting AG, zeigte in seinem Referat „Poka Yoke, Umsetzung in der Praxis“ anhand von Beispielen auf, wie man strukturiert einen Poka Yoke im Unternehmenskontext anwendet und von dieser Art der Prozessabsicherung profitiert. Poka Yoke hat seinen Ursprung in der Entwicklung des Toyota Produktionssystems (TPS), als Qualität in den Fokus rückte und der Japaner Shigeo Shingo Wege zur präventiven Fehlervermeidung suchte. Seine Zielsetzung war klar: Kontrolle unnötig zu machen, indem Qualität produziert wird und Fehlhandlungen in ihrem Ursprung vermieden werden.

Die Anwendung von Poka Yoke beginnt schon in der Entwicklung eines Produkts. Durch den Aufbau im Zwiebelprinzip kann bereits sichergestellt werden, dass das Produkt anschliessend im Fluss produziert wird und keine Bauteile während des Prozesses vergessen werden.

Die nachfolgende Absicherung im Prozess erfolgt mit Hilfe verschiedener Verfahren, um eine möglichst kostengünstige und effektive Umsetzung sicherzustellen. Die effektivste aller Poka Yoke Massnahmen ist die Ursachenkontrolle, bei der die Fehlhandlung gar nicht erst ausgeführt werden kann, da diese „mechanisch“ verhindert wird. Ein Ventil kann beispielsweise erst geöffnet werden, wenn das andere Ventil geschlossen ist. Die «Pick by light» Lösung findet in der Montage häufig Anwendung. Dabei bekommen Mitarbeiter mittels visueller Signale die entsprechenden Prozessschritte und Teile angezeigt und erst, wenn die Sensorik eine entsprechende Entnahme der Teile registriert, wird der nächste Arbeitsschritt angezeigt.

Aufgrund der Tatsache, dass die Umsetzung komplex ist und auch nicht immer angewendet werden kann, findet sehr häufig die Selbstkontrolle Anwendung. Dabei kann der Prozess zwar anfänglich falsch ausgeführt werden, der Fehler wird aber durch unmittelbare Rückmeldung an den Ausführenden sofort entdeckt. Das Bereitstellen von Sets für die Montage eines Produkts hilft beispielsweise sicherzustellen, dass alle relevanten Bauteile verbaut wurden.

Poka Yoke in Form einer Folgekontrolle verhindert dahingegen erst, dass ein fehlerhaftes Teil zum nachgelagerten Prozess weitergegeben wird. Dabei erfolgt die Kontrolle zwar erst im Übergang zum nächsten Prozessschritt -die Rückmeldung erfolgt somit zeitversetzt -, verhindert aber dennoch, dass der Fehler an den nächsten Schritt weitergegeben wird.

Bei auftretenden Fehlern kann der Mitarbeiter mittels akustischer und visueller Signale darauf aufmerksam gemacht werden und teilweise sogar der Arbeitsablauf angehalten werden. In der Automobilindustrie wird beispielsweise mit der Andon-Leine das Fliessband gestoppt, um Fehler direkt zu korrigieren.

Poka Yoke lässt sich aber nicht nur in der Produktion anwenden. Längst findet Prozessabsicherung auch in der Administration Anwendung. In ERP-Systemen modellierte Workflows, die eine bestimmte Prozessabfolge voraussetzen oder definierte Mussfelder bei der Dateneingabe helfen dabei, Fehler direkt in der Entstehung zu vermeiden. Im Spitalbereich ermöglichen Medikamentenschränke beispielsweise nur die Entnahme jener Medikamente, welche auch tatsächlich vom Arzt verschrieben wurden. Patientenarmbänder weisen Strichcodes auf, die eine eindeutige Zuordnung zum entsprechenden Patiendossier und der verschriebenen Medikation sicherstellt.

Zusammenfassend ermöglicht der Einsatz von Poka Yoke, mit einfachen Mitteln eine sehr schnelle und kostengünstige Absicherung von Systemen und Produkten mit dem Ziel, Fehler präventiv zu vermeiden. Die beste Qualitätssicherungsabteilung stellt Qualität bereits im Prozess sicher und nicht erst in der nachfolgenden Endkontrolle.

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Link zur Ausgabe der MQ: Management und Qualität Seite 19